Ist mein Hund hochsensibel?

In der Psychologie des Menschen ist der Begriff „High Sensitive Person“ seit den 90er-Jahren durch die Psychologin Dr. Elaine Aron bekannt geworden.Um das Thema etwas greifbarer zu machen, möchte ich euch gerne erst mal etwas über Hochsensibilität erzählen.

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal, bei dem es um einen besonders hochentwickelten Wahrnehmungsgrad handelt. Ein Persönlichkeitsmerkmal wird umgangssprachlich auch Charaktereigenschaft genannt. Eine einzelne Charaktereigenschaft macht selbstverständlich nicht das Lebewesen aus, sondern die Gesamtheit aller Persönlichkeitsmerkmale.

Persönlichkeitsmerkmale sind z.B. Ängstlichkeit, Impulsivität, Introvertiertheit, Extrovertiertheit und vieles mehr.

Entscheidend für ein Persönlichkeitsmerkmal ist, dass es konstant vorhanden ist und nicht ein vorübergehender Zustand darstellt.

„Menschen zu finden, die mit uns fühlen und empfinden, ist wohl das schönste Glück auf Erden.“ (Carl Spitteler)

Es existieren zwei Fachbegriffe, die das Persönlichkeitsmerkmal beim Hund beschreiben.

cSPS = canine Sensory Processing Sensitivity

  • Hochsensibilität beim Hund
  • Neurosensitivität beim Hund

HSD = Highly Sensitive Dog

  • Hochsensibler Hund

In einer Pilotstudie zu Hochsensibilität, die unter anderen Frau Dr. Bräm durchgeführt hat, wurde nachgewiesen, dass auch Hunde mit dem Persönlichkeitsmerkmal Hochsensibilität geboren werden. Am Ende des Textes verlinke ich die Studie, sowie den Fragebogen zur Hochsensibilität bei Hunden.

Besonders interessant fand ich, dass die Verteilung des gemessenen Wertes aus dem Fragebogen zur Hochsensibilität unabhängig von Faktoren, wie Rasse, Herkunftsland oder den Besitzerfaktoren, wie Beruf war.

Was für ein Fragebogen?

Der Fragebogen besteht aus 32 Fragen und ist ähnlich wie beim Fragebogen zur Hochsensibilität beim Menschen aufgebaut. Im Fragebogen werden generelle Fragen zum Verhalten gestellt und Fragen betreffend Ängstlichkeit und Neurotizismus. Der sich aus dem Fragebogen ergebene Score zeigt an, ob das Tier das Persönlichkeitsmerkmal Hochsensibilität besitzt.

Es gibt ein messbares Werkzeug, um eine Hochsensibilität bei Hunden nachweisen zu können.

Beeinflusst Hochsensibilität das Verhalten des Hundes?

Innere und äußere Faktoren haben Einfluss auf das Verhalten des Hundes. Zu den inneren Faktoren gehört unter anderen die Persönlichkeit und die Umwelt des Tieres gehört zu den äußeren Faktoren.

Hochsensibilität, Verhalten und Lebensumfeld

Hochsensibilität bedeutet, dass ein besonders hochentwickelter Wahrnehmungsgrad vorhanden ist. Unsere Hunde haben hochentwickelte Sinnesorgane. Bereits nicht hochsensible Hunde müssen eine Vielzahl an Sinneseindrücken verarbeiten. Verarbeitet werden diese besonders gut in Ruhe- und Schlafphasen. Hochsensible Hunde, nehmen aufgrund ihrer hochentwickelten Wahrnehmung wesentlich mehr Reize und Eindrücke war als nicht hochsensible Hunde. Die Ruhe- und Schlafzeiten, sowie Tätigkeiten sollten dementsprechend angepasst werden. Das Lebensumfeld des Hundes sollte dabei unbedingt beachtet werden. Ein Hund auf dem Land ist womöglich weniger Reizen ausgesetzt als ein Hund, der in der Stadt lebt. Ein Hund, der allein mit seinem Menschen lebt, hat möglicherweise weniger Eindrücke als ein Hund, der in einer Familie mit Kindern lebt. Die Studie hat gezeigt, dass so unterschiedlicher die Persönlichkeiten von Hund und Mensch ist, desto häufiger Verhaltensprobleme auftreten. Sowie hat sich gezeigt, dass die Häufigkeit von Verhaltensproblemen bei negativer Bestrafung bei höher sensiblen korrelieren.

Mögliche Anzeichen

  • Dein Hund kommt schwer zur Ruhe und wirkt nervös.
  • Dein Hund scheint, alles um sich herum auf zu saugen.
  • Dein Hund reagiert auf Stimmungen, wie zum Beispiel Streit zwischen seinen Menschen oder Aufregung.
  • Dein Hund reagiert stark auf Reize der Umwelt oder ist schreckhaft.
  • Dein Hund ist geräuschempfindlich.
  • Dein Hund reagiert bereits auf veränderte Stimmlage.
  • Dein Hund benötigt lange, um sich an Neues zu gewöhnen.
  • Und vieles mehr.

Beachte; die Anzeichen bestehen seit Geburt an und sind konstant vorhanden.

Fazit

Hochsensibilität ist ein Persönlichkeitsmerkmal des Lebewesens und bleibt für immer. Es ist kein vorübergehender Zustand, der „weg zu trainieren“ ist. Hochsensibilität wurde nachgewiesen und ist beim Menschen bereits seit den 90er Jahren bekannt. Hochsensibilität ist keine Krankheit. Ein hochsensibler Hund kann in jedem Lebensumfeld leben, benötigt allerdings die angepassten Ruhe- und Schlafzeiten, sowie den notwendigen Social-Support und Verständnis seines Menschen. Auch für erfahrene Hundemenschen ist der Umgang mit einem hochsensiblen Hund zu erlernen. Hochsensibilität steht nicht auf dem allgemeinen Stundenplan der Hundetrainerausbildung und wird oftmals nicht erkannt und verstanden. Treten die ersten Verhaltensauffälligkeiten auf, liegt es meistens an einer Überreizung des Gehirns und der Hund zeigt an, dass etwas zu viel ist. Hier spielen nun auch die weiteren Persönlichkeitsmerkmale eine Rolle, ist der Hund eher extrovertiert, wird er bei der nächsten Konfrontation nach vorne gehen und den Stressor vertreiben wollen. Ein eher introvertierter Hund, wird sich vollkommen zurückziehen. Beides sind Schutzmechanismen und hat nichts mit der Bindung zwischen Mensch und Hund zu tun. Hochsensible Hunde, sowie nicht hochsensible Hunde, benötigen individuelles, bedürfnisorientiertes und belohnungsbasiertes Training. Hochsensible Hunde benötigen einen angepassten Tagesablauf und ein an dem Tier angepasstes Training. Ich helfe dir gerne dabei, dir aufzuzeigen warum bestimmte Verhaltensprobleme sich entwickelt haben und wie du mit einem für euch angepasstes Training die Lebensqualität von deinem Hund und dir steigern könnt.

Hinweis und Links

In diesem Blogartikel kann nicht auf alles eingegangen werden. Es gibt in der Hochsensibilität unterschiedliche Ausprägungen und Entwicklungen. Gerne unterstütze ich dich und deinen Hund.

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4 Comments

  • Stephanie

    Hallo und vielen Dank für den Artikel. Seit einiger Zeit denke ich über das Verhalten meines Hundes nach. Miri ist nicht meine erste Hündin und ich merke, dass sie anders ist. Ich werde mich über das Thema belesen und Miri beobachten. Bestimmt mache ich auch noch den Test. Liebe Grüße Steffi

  • Heike

    Top Artikel ! Ich freue mich über die vielen Infos und werde das Thema vertiefen. Bietest du auch Webinare an?

    • admin

      Hallo Heike, abonniere doch gerne unseren Newsletter. Es sind Webinare zu unterschiedlichsten Themen geplant. Wann genau das Webinar zur Hochsensibiliät stattfinden wird, steht noch nicht fest. Liebe Grüße

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